Medizinische Behandlung der Seele

Als ich Patient in der Psychiatrie wurde, bot man mir als Erstes Medikamente an. Eine schwarze und eine weiße Pille. „Die können mich nicht täuschen!“, dachte ich, während ich die weiße aß, die schwarze aber im Mund versteckte, um sie später auszuspucken, wenn der Arzt nicht hinsah.

Ich war in der Psychiatrie gelandet, weil ich plötzlich eine Psychose entwickelt hatte. So würde ich es heute beschreiben. Damals bezeichnete ich meinen Zustand als Lebenskrise.

In der Psychiatrie ist die primäre Behandlung medikamentös. Auch wenn es um psychische Probleme geht. Ich erkenne, dass ich krank bin. Jedenfalls habe ich in bestimmten Situationen unangemessen gehandelt. Ansonsten habe ich gerne die Verantwortung dafür übernommen und war bereit, mit meiner Persönlichkeit zu arbeiten, um das wiedergutzumachen. Trotzdem habe ich lange nach anderen Behandlungsmöglichkeiten für Psychosen als medikamentös gesucht. Aber heute erkenne ich, dass mir die Medikamente sehr gut tun. Trotz der starken Nebenwirkungen.

Ohne Krankheitserkennung

Das Problem bei der Diagnose ist, dass der Arzt, allein auf Grundlage der Beobachtung des Verhaltens und der Erklärungen des Patienten, dessen Gefühle und Denkmuster einschätzen muss. Das führt leicht zu einer Verhaltenstherapie, die auf den Wünschen des Arztes basiert, anstatt dem Patienten selbst zu helfen. So erging es mir. Ich dachte nicht, dass ich krank sei, und es dauerte viele Jahre, bis ich freiwillig medizinische Behandlung annahm. Es war also der Arzt, der mich als krank einschätzte. Und wenn ich die Krankheitsbezeichnung in Frage stellte, war das genau ein Symptom der Krankheit, nämlich ein mangelndes Erkennen der Krankheit. Ich saß in einer Falle.

Heute habe ich einen guten Einblick in die Krankheit. Aber das liegt nur daran, dass ich mich mit der Denkweise des Arztes vertraut gemacht habe, obwohl ich zunächst das Gegenteil erwartet hatte. Der Arzt ist nicht unbedingt ein besserer Mensch als ich, aber ich passe mich jetzt besser der Gesellschaft an, da ich den Anweisungen des Arztes folge. Auch hier hatte ich das Gegenteil erwartet: Dass sich die Gesellschaft an mich als Individuum anpasst.

Wirkung oder Nebenwirkung?

Ich war als Kind und Jugendlicher ziemlich schnell unterwegs. Ohne Diagnose war ich sehr aktiv, auch musikalisch.

Dass sich psychotische Symptome entwickelten, könnte eine Folge der erhöhten Aktivität gewesen sein. Vor allem der erhöhten Gehirnaktivität. Ich habe nicht gelernt, in meinem Körper zu sein, geerdet zu sein, als ich plötzlich in eine Lebenskrise geriet. Ich konnte damit nicht anders umgehen, als psychotisch zu werden.

Die Medikamente unterdrücken diese Aktivität. Zuerst dachte ich, das Phänomen sei eine Nebenwirkung, weshalb ich mich immer darüber geärgert habe. Aber jetzt sehe ich, dass die verminderte Aktivität die Wirkung der Medikamente selbst ist. Schade, denn wie könnte ich Musik machen, wenn ich mehr Energie hätte! Übrigens fühlt es sich körperlich besser an, die Energie für Aktivität zu haben, als müde und erschöpft zu sein. Aber mangelnde Initiative ist besser als Psychose. Davon haben mich die Ärzte überzeugt. Nach vielen Jahren als Patient in der Psychiatrie.

Alternativen zu Medikamenten

Meine ironische Kritik richtet sich eher an unsere Gesellschaft als an den einzelnen Arzt. Ich wünschte, ich bräuchte dieses Medikament gegen Psychosen nicht. Und ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass wir uns auf alternative Wege im Umgang mit psychischen Erkrankungen konzentrieren.

Ärzte in der Psychiatrie fordern jedoch die Konkretisierung dieser von Patienten gewünschten alternativen Wege, und hier muss ich zurückstecken. Wenn es so einfach wäre, zu erwähnen, wie ich mich sonst gefühlt hätte, gäbe es kaum ein Problem.

Wir haben Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Wir hatten den Weißen Schnitt. Wir haben einen langen Weg zurückgelegt. Aber es bleibt noch viel zu tun! Und obwohl Ärzte kompetente und gute Menschen sind, ist die Stimme der Patienten in dieser Arbeit unglaublich wichtig. Sowohl der Patienten, die in ihrem Genesungsprozess schon weit gekommen sind, als auch derjenigen, die noch viel zu gewinnen haben.

Kristian Marcussen entspannt auf der Couch mit Ipad und Kopfhörern

Mangelnde Initiative ist besser als eine Psychose. Davon haben mich die Ärzte überzeugt. (Photo: Mette Munch)